Knowledge Center » Die ingeniam Artikelserie » BUSINESS ETHIK | Empathie und Ellenbogen
Nicht nur zu Anfang einer Karriere ist es wichtig, sich Klarheit zu verschaffen über die eigenen Ziele und die adäquaten Mittel, um sie zu erreichen. Wirklich sinnvoll und langfristig nützlich sind aber nur Mittel, die die eigenen positiven Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale hervorheben. Vor der Entscheidung für das eine oder andere Unternehmen ist es ratsam, rechtzeitig vorher zu überprüfen, ob die Firmenethik mit den eigenen Vorstellungen kompatibel ist.
Zehn Antworten auf zehn häufige Fragen von Kandidaten und Coachees zur Business Ethik:
Wie ausgeprägt muss der Ellenbogen sein, um Karriere zu machen?
Wer wirklich als Person über-zeugen und Karriere machen möchte, sollte auf keinen Fall über den Gebrauch seiner Ellen-bogen nachdenken. Karriere kann niemand erzwingen, son-dern man muss sie konsequent, zielgerichtet und bewusst pla-nen. Dabei helfen Geradlinigkeit, Selbstbewusstsein und ein über-zeugender Auftritt. Zudem gibt es Eigenschaften, die Menschen zur Karriere qualifizieren. Dazu zählen neben dem professionel-len Know-how Persönlichkeitsmerkmale wie ein hohes Maß an Ausgeglichenheit, gesunder Ehr-geiz, Besonnenheit in den Ent-scheidungen und Wissbegierde.
Wo findet der Ellenbogen seine Grenzen?
Der Ellenbogen sollte niemals als Karriere-Beschleuniger in Betracht gezogen werden, da er den Ruf als Kollege, Mitarbeiter oder Vorgesetzter langfristig ruiniert. Wettbewerb ja, gerne auch hart - aber fair und mit of-fenem Visier.
Ein direkter Konkurrent scheint die besseren Karten zu haben. Wie gehe ich damit um?
Gelassen. Ich konzentriere mich auf meine eigenen Stärken. Ich entwickle meine persönlichen Verkaufsargumente, die authentisch sind und meinen Mehrwert für die Position herausstellen. Diese vertrete ich mit Begeisterung und innerer Überzeugung. Wenn sie nicht passen, bin ich an der Stelle ohnehin falsch.
Wenn andere sich im Karrierewettbewerb unfair verhalten - was tun?
Die eigene Linie verfolgen, auf keinen Fall mit gleichen Waffen zurückschlagen. Das ist schlech-ter Stil und kostet unnötig Ener-gie. Machen Sie Ihre Wettbewerber ruhig auf ihr unfaires Verhalten aufmerksam, aber lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein. Beobachten Sie ihr Verhalten genau, so dass Sie wissen, welche Gefahren unter Umständen drohen. Ansonsten lassen Sie sich nicht von den eigenen Überzeugungen abbringen.
Wer sich immer an die Regeln hält, bleibt unauffällig - stimmt diese Aussage?
Das ist die falsche Sichtweise. Regeln einzuhalten schließt nicht aus, Eindruck zu hinterlassen. Im Gegenteil. Neue Wege lassen sich im Job sogar umso nachhaltiger und eindrücklicher be-schreiten, wenn man es versteht, sich in einem vorgegebenen Regelwerk zu bewegen. Es wird heute oft vom „good corporate citizen" gesprochen, der beileibe kein Mauerblümchen-Dasein führt. Er besitzt Durchsetzungs- und Überzeugungskraft, entwickelt neue Ideen für Projekte oder interessante Geschäftsentwicklungen und reißt andere Menschen mit. Er ist ein Leistungsträger, der für die Verlässlichkeit und das positive Image des Unternehmens steht. Erfolg in einem Konzern hängt von einer Vielzahl von Parametern ab, Einzelkämpfer haben wenig, wenn nicht gar keine Chancen. Standfest und mit Begeisterung für die eigene Überzeugung und die eigenen Werte einzutreten, hat nichts damit zu tun, Regeln des Unternehmens zu missachten.
Nur frech kommt weiter ...
Im Gegenteil. Wenn, dann handelt es sich allenfalls um kurzfristige Erfolge, weil Frechheit einhergeht mit Dreistigkeit, unsachlichen Behauptungen und Überrumpelungsspielen. Immer folgt wenig später die Ernüchterung auf dem Fuße, weil es im Berufsleben auf Fakten und richtige Argumente ankommt.
Was bedeutet Instinkt in einer Karriere?
Nicht jede Gelegenheit ist eine gute Karrierechance, und der Instinkt hat schon oft getäuscht, wenn nicht auch Fakten in die Entscheidungsfindung mit einbezogen wurden. Nur wer den Markt kennt, Veränderungen langfristig beobachtet und klar seine eigenen Ziele formuliert hat, kann die richtige Gelegenheit unter vielen herausfiltern. Instinkt bedarf vieler Informationsquellen, die ihn füttern, um dann das richtige Bauchgefühl an der richtigen Stelle hervorzurufen.
Welche Rolle spielt das „Nehmen können" in einer Karriere?
„Nehmen können" spielt eine entscheidende Rolle. Jeder, der sich Reputation, Anerkennung und natürlich auch fachliches Know-how aufgebaut hat, kommt in Situationen, in denen Herausforderungen, Chancen, Entwicklungsperspektiven, Ver-traulichkeiten an ihn herangetragen werden. Die Bandbreite ist groß, die Ebenen, auf denen es Angebote, etwas zu nehmen, gibt, vielfältig. Jederzeit gilt der Grundsatz, dass man „nimmt", wenn man der Überzeugung ist, die Erwartungshaltung des Gebenden mindestens erfüllen, wenn nicht übertreffen zu können. In den seltensten Fällen wird gegeben, ohne eine wie auch immer geartete Gegenleistung zu erwarteten. Darüber sollte im Vorfeld auf beiden Seiten Klarheit herrschen, denn nur so besteht eine saubere Grundlage für die künftige Zusam-menarbeit.
Was bedeutet es für die eigene Karriere, andere zu fördern?
Dies lässt sich aus zwei Blickwinkeln beantworten. Mit Blick auf die Vergangenheit bedeutet eine Mentoren-Rolle Anerkennung und Wertschätzung der Person, ihres Wissens und ihrer Erfahrung. Mentor wird, wer sich in seinem bisherigen beruflichen Umfeld bewährt hat, im Umgang mit Menschen eine natürliche Führungsrolle übernommen und das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt hat. Mit Blick auf die Zukunft bedeutet es, künftig nicht nur Manager von Projekten, Abläufen und Abteilungen zu sein, sondern Leadership-Verantwortung zu übernehmen, Vorbild zu sein, die Kultur des Unternehmens mit zu prägen. Für die Karriere kann eine solche Rolle sehr hilfreich sein, weil man sich mit ihr von anderen abhebt. Wissen zu teilen ist eines der wichtigsten Prinzipien unserer künftigen Unternehmensstrukturen.
Woran erkennen Bewerber, ob sie mit Fairness in einem Unternehmen aufsteigen können?
Sie sollten sich vor dem Inter-view ausführlich über die Dar-stellung des Unternehmens und seines Geschäftsgebarens in Presse und Internet informieren, um ein erstes Bild zu bekommen. Sie sollten weiterhin für sich selbst Kriterien festlegen, an denen sie faires Verhalten erkennen und die für sie wichtig sind, um sich in einer Umgebung wohl zu fühlen. Es ist durchaus angebracht, im Interview anhand von Beispielen zu erfragen, wie die Unternehmenskultur aussieht, wie Menschen miteinander umgehen und wie das Unternehmen auf bestimmte Situationen reagiert.